Ernährung

Der Ernährung sollte ein hoher Stellenwert beigemessen werden, denn diese hat einen sehr großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Schildkröte.

Durch ungeeignetes Futter können viele Fehlentwicklungen verursacht werden, zB. Papageienschnabel (siehe Krankheiten).

Wenn man das Freigehege mit ausreichend verschiedenen Futterpflanzen bepflanzt, kann man von der Zugabe zusätzlicher Vitaminpräparate absehen. Diese sind, sofern man sie auch noch falsch dosiert, mehr schädlich als nützlich. Nachdem sich die Schildkröte nicht durch Laute, wie etwa ein Hund bemerkbar machen kann, leidet dieses Tier daher still vor sich hin.

Wenn man den Tieren im Sommer einmal wöchentlich ein paar Himbeeren oder Erdbeeren anbietet, dann bringt dies die Tiere selbstverständlich nicht um, genauso wenig, wie wenn man winterwache Tiere mit Salat füttert (z.B.: Endiviensalat, Zuckerhut, Radicchio, Chinakohl, Vogerlsalat). Man sollte sich stets das natürliche Verbreitungsgebiet in Griechenland vor Augen führen. Dort naschen sie auch hin und wieder an Früchten. ABER vorwiegend sollten sich unsere Tiere mit abwechslungsreichen Wildpflanzen ernähren, denn diese enthalten die verschiedenen nötigen Vitamine und Spurenelemente und bescheren den Schildkröten ein langes und gesundes Leben! Das sollte unser Ziel sein.
Denn geht’s der Schildkröte gut, geht’s uns auch gut und man erspart sich die Tierarztkosten.

Schildi beim Chillen unter einem Thymianstrauch

Hier eine kleine Auflistung meiner Futterpflanzen:

Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides) - Familiengattung: Glockenblumengewächse (Campanulaceae)

Acker Witwenblume

Bärlauch (Allium ursinum) - Familiengattung: Lauchgewächse (Allium)

Beinwell (Symphytum cordatum) - Familiengattung: Raublattgewächse (Boraginaceae)

Blaublatt Funkie (Hosta sieboldiana) - Familiengattung: Funkiengewächse (Hostaceae)

Breitwegerich (Plantago major) - Familiengattung: Wegerichgewächse (Plantaginacae)

Echte Zaunwinde

Fetthennen (Sedum) - Familiengattung: Dickblattgewächse (Crassulaceae)

Fingerkraut (Potentilla erecta) - Familiengattung: Rosengewächse (Rosaceae)

Frauenmantel (Alchemilla) - Familiengattung: Rosengewächse (Rosaceae)

Gänseblümchen (Bellis perennis) - Familiengattung: Korbblütler (Asteraceae)

Gänseblümchen

Gänse Fingerkraut

Garten Hibiskus

Gemeine Nachtkerze

Gemeine Wegwarte

Gewöhnliches Ferkelkraut

Gewöhnlicher Frauenmantel

Gewöhnlicher Rainkohl

Gewöhnlicher Wundklee

Große Brennessel (Urtica dioica) - Familiengattung: Nesselgewächse (Urticaaeae)

Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) - Familiengattung: Rosengewächse (Rosaceae)

Johanniskraut (Hypericum perforatum) - Familiengattung: Johanniskrautgewächse (Hypericaceae)

Kapuzinerkresse (Tropaeolum) - Familiengattung: Kapuzinerkressengewächse (Tropaeolaceae)

Klatschmohn (Papaver rhoeas) - Familiengattung: Mohngewächse (Papaveracceae)

Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor) - Familiengattung: Rosengewächse (Rosaceae)

Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata) - Familiengattung: Glockenblumengewächse (Campanulaceae)

Kohl-Kratzdistel (Cirsium oleraceum) - Familiengattung: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Kornblume (Cyanus segetum) - Familiengattung: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Knoblauchsrauke (Alliarua petiolata) - Familiengattung: Kreuzblütler (Brassicaceae)

Königskerze (Verbascum densiflorum) - Familiengattung: Rachenblütler (Scrophulariaceae)

Kren (Armoracia rusticana) - Familiengattung: Kreuzblütler (Brassicaceae)

Löwenzahn (Taraxacum officinale) - Familiengattung: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Mauretanische Malve (Malva sylvestris subsp. mauritiana) - Familiengattung: Malvengewächse (Malvaceae)

Missouri Nachtkerze (Oenothera macrocarpa) - Familiengattung: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)

Mittlerer Wegerich (Plantago media) - Familiengattung: Wegerichgewächse (Plantaginacae)

Moschusmalve (Malva moschata) - Familiengattung: Malvengewächse (Malvaceae)

Orangrotes Habichtskraut (Hieracium aurantiacum) - Familiengattung: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum) - Familiengattung: Taubnesseln (Lamium)

Ringelblume (Calendula officinalis) - Familiengattung: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Rosenmalve (Malva alcea) - Familiengattung: Malvengewächse (Malvaceae)

Rundblättrige Glockenblume

Saat-Esparsette (Onobrychis viciifolia) - Familiengattung: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)

Schwarze Flockenblume

Schwarze Königskerze

Sigmarskraut

Skabiosen Flockenblume (Centaurea scabiosa) - Familiengattung: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Spitzwegerich (Plantago lanceolata) - Familiengattung: Wegerichgewächse (Plantaginacae)

Stiefmütterchen

Stockrose

Storchschnabel (Geranium pratense) - Familiengattung: Storchschnabelgewächse (Geraniaceae)

Taglilie (Hemerocallis fulva) - Familiengattung: Grasbaumgewächse (Xanthorrhoeaceae)

Wald-Erdbeere (Fragaria vesca) - Familiengattung: Rosengewächse (Rosaceae)

Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis) - Familiengattung: Korbblütengewächse (Asteraceae)

Wiesen Glockenblume

Wiesen-Labkraut (Galium mollugo) - Familiengattung: Rötegewächse (Rubiaceae)

Wiesen Pippau

Wiesen Schaumkraut (Cardamine pratensis) - Familiengattung: Schaumkräuter (Cardamine)

Wilde Malve (Malva sylvestris) - Familiengattung: Malvengewächse (Malvaceae)

Zistrose

Zottige Wicke

Juvenile Tiere in einem Blütenmeer

Wie Sie sehen, kommen bei mir weit über 40 verschiedene Futterpflanzen vor, welche laufend erweitert werden. Ich achte stets darauf, dass unter den reichlichen Futterpflanzen auch verschiedene Familiengattungen vorkommen, wie beispielsweise Korbblütengewächse, Lippenblütengewächse, Glockenblumengewächse u.v.a.

Wenn bei Ihnen nicht so viele verschiedene Pflanzen wachsen, können Sie sich bei mir Samen von selbstgezogenen Pflanzen besorgen.

Bereits großgezogene Pflanzen kann man bei der BIO-Gärtnerei Schützenhofer in Rohr im Kremstal(Steyr-Land/OÖ) erhalten. Frau Schützenhofer hat einen eigenen begehbaren Kräutergarten mit über 500 verschiedenen Wildpflanzen angelegt, hier sollte für jeden etwas dabei sein.

BIO-Kräutergarten Gärtnerei Schützenhofer

Eine große Auswahl an Sträuchern hat die Firma Gartenbau Obermayr in Schiedlberg (Steyr-Land/OÖ). Überdies ist diese Firma ein kompetenter Partner in Bezug auf die Verlegung von Natursteinmauern.

Bei der Auflistung meiner Futterpflanzen handelt es sich nur um eine kleine Auswahl von den vielen Futterpflanzen, die für Schildkröten geeignet sind. Wer sich mehr für Wildkräuter interessiert, dem kann ich das Buch von der Autorin Marion Minch ans Herz legen. Dieses beschreibt meiner Meinung nach die Pflanzen sehr gut und es ist obendrein übersichtlich in die verschiedenen Blütenfarben gegliedert. Dies erleichtert es einem ungemein, vor Ort die Pflanze sehr schnell zu bestimmen. Das Buch sehen Sie in der Rubrik "Bücher+Links" aufgelistet.

Damit die Panzerpflege Ihrer Schildkröten bestens funktioniert und die ätherischen Öle den Panzer Ihrer Schildkröten pflegt, platzieren Sie die untenstehenden Pflanzen so, dass die Tiere bei Ihren Streifzügen durch das Gehege dabei vorbeikommen müssen. Dann brauchen Sie auch kein Panzerpflegeöl aus dem Geschäft!

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) - Familiengattung: Lippenblütler (Lamiaceae)

Oregano (Origanum vulgare) - Familiengattung: Lippenblütler (Lamiaceae)

Rosmarin (Rosmarinus officinalis) - Familiengattung: Lippenblütler (Lamiaceae)

Salbei (Salvia officinalis) - Familiengattung: Lippenblütler (Lamiaceae)

Thymian (Thymus vulgaris) - Familiengattung: Lippenblütler (Lamiaceae)



Bevor Sie sich an die Bepflanzung des Freigeheges mit Futterpflanzen machen, entfernen Sie den Rasen vollständig. Das verursacht anfangs etwas Arbeit, aber glauben Sie mir, es lohnt sich. Die Tiere sind Feinschmecker und fressen Gras nicht, sondern bevorzugen die oben aufgeführten Wildkräuter. Von denen können gar nicht genug im Gehege sein!

Wie Sie die Entfernung des Rasens am besten in Angriff nehmen, sehen Sie anhand der Beschreibung in der Rubrik Freigehege.

Angebliches Futter, das Sie teilweise in älteren Büchern oder im Internet finden, welches Sie auf gar keinen Fall den Tieren anbieten sollten, sind:

  • Tomaten, Bananen (denn diese haben ein sehr schlechtes Verhältnis von Calcium zu Phosphor und sind für den Darm der Tiere total ungeeignet)
  • Gemüse jeglicher Art (Gurken, Brokkoli, etc…)
  • Nudeln
  • Katzenfutter
  • Hundefutter
  • Faschiertes
  • Tierisches Eiweiß

Eine spezielle Auflistung von giftigen Pflanzen macht meiner Meinung nach keinen Sinn, denn diese würde eben so lang werden wie die Futterpflanzenliste. Daher mein Tipp:
Wenn Ihnen eine Pflanze unbekannt ist und Sie diese nicht dezidiert in einem Futterhandbuch finden, lassen Sie diese, zum Wohle der Tiere weg.

Die einzigen zusätzlichen Futterzugaben, welche ich den Tieren anbiete, sind selbst hergestelltes Kräuterheu und Kalziumcarbonat (CaCO3) in Form von Sepiaschalen.

Das Kräuterheu ist sehr reich an Rohfasern und wird daher länger im Darm behalten als etwa frischer Löwenzahn oder knackiger Spitzwegerich. Daher trägt das Heu zu einer gesunden Darmflora bei und reduziert obendrein die Anzahl möglicher Darmparasiten. Dabei ist Heu nicht gleich Heu und sollte keinesfalls mit dem Heu in Verbindung gebracht werden, welches Kühe fressen. Denn dieses beinhaltet in der Regel Gräser, welche griechische Landschildkröten nicht fressen. Daher mache ich mir mein Schildkrötenheu selbst. Dies ist ein Kräuterheu, aus ca. 20 ausgewählten Wild- und Futterpflanzen und auch Blüten, welche ich im Jahr zuvor bereits geerntet und schonend getrocknet habe. Dies beinhaltet unter anderem: Malvenblüten, Stockrosenblüten, Kornblumenblüten, Ringelblumenblüten, Löwenzahn, Erdbeerblätter, Brennnesseln, Bärlauch, Spitzwegerich, Weinblätter, Breitwegerich, Haselnussblätter, Moschusmalve, Rosenblätter und -blüten u.v.m.

Wenn Sie Bedarf an meinem Kräuterheu haben, so schreiben Sie mir einfach ein E-Mail.

Selbst hergestelltes Kräuterheu

Damit das Heu genügend Luft bekommt und nicht schimmlig wird, lagere ich dieses, bis es verbraucht wird, auf dem Dachboden in einem alten Kissenüberzug.

Kissenüberzug für Kräuterheu

Sepiaschalen können Sie in jeder Tierhandlung erwerben, oder Sie sammeln sie am Strand, während Ihres nächsten Sommerurlaubes. Durch das Nagen an der Sepiaschale (enthält ca. 41 % Ca) nutzen die Tiere ihre Hornscheide ab, bekommen so ihre tägliche Dosis an Mineralien und Kalzium und es kommt zu keiner Bildung eines Papageienschnabels. Da für die Jungtiere die Sepiaschale zu hart ist, mahle ich diese mit einem Mörser und ermögliche ihnen dadurch die Kalkaufnahme schon von klein an.

Juveniles Tier frisst zermahlene Sepiaschalen

Wie Sie anhand des nächsten Fotos gut erkennen können, ist Sepiaschale nicht gleich Sepiaschale, denn es handelt sich um ein Naturprodukt! Es sollte je nach Größe und Alter der Schildkröte die passende Sepiaschale verfüttert werden. Es macht keinen Sinn einer frisch geschlüpften Schildkröte die größte Sepiaschale anzubieten. Mit dem kleinen Mund wird das Tier die Schale kaum anknabbern können und somit nimmt es auch kein Kalzium auf.

Wenn Sie Bedarf an Sepia Schalen haben, so schreiben Sie mir einfach ein E-Mail.

Verschiedene Größen von Sepiaschalen

Anstelle der Sepiaschale können Sie auch Schneckenhäuser anbieten oder auch Eierschalen (enthalten ca. 36% Ca). Letztere würde ich vor Verabreichung aber mit heißem Wasser abkochen.

Kalzium und Phosphor sind die wichtigsten mineralischen Bestandteile für die Schildkröte. Das Schildkrötenskelett besteht zu ca. 99% des Körper-Kalziums und aus ca. 85% des Körper-Phosphors. Das Kalzium-Phosphor-Verhältnis sollte 1,5:1 sein, besser wäre jedoch 3:1 oder noch höher. In ihren natürlichen Habitaten liegt sogar ein Verhältnis von 5:1 vor.

Dieses hohe Verhältnis kommt zustande, weil die Pflanzen auf kargen, kalkhaltigen Böden wachsen. Um nun den Schildkröten in unserer Gegend genügend Kalzium anbieten zu können, sollte das Futter möglichst auf kalkhaltigem Untergrund gedeihen.

Ein Gefäß mit frischem Wasser darf natürlich auch nicht fehlen. Die Reinigung und Befreiung der Wasserstelle von Kot und Schmutz sollte möglichst täglich erfolgen, sodass den Tieren stets frisches Wasser zur Verfügung steht. Weiters hat es sich aus folgenden Gründen bewährt, einen Stein in die Wasserschale zu legen:
1. Auch kleinere Tiere können so größere Wasserstellen aufsuchen, ohne der Gefahr des Ertrinkens.
2. Die Tiere koten gar nicht mehr oder nicht mehr so häufig in diese Wasserstelle.

Wasserstelle